„Flucht nach vorn“ – Monika Herold über Corona, Brüder, Prinzen und Könige

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Multi-Instrumentalistin und neustes Mitglied der LAG Songkultur Thüringen Monika Herold nutzte die Pandemiezeit vornehmlich für ihr Solo-Debüt.

So jemanden wie Monika Herold, den „gibt’s nicht, man müsse sie sich backen“ – so beschrieb Schauspieler Thomas Rühmann („In aller Freundschaft“, ARD) einst Herold als multitalentierte Ausnahmeerscheinung. Zusammen mit Rühmann und dem Ostrock-Gitarristen Jürgen Ehle („Pankow“) ist Herold in ‚normaleren‘ Zeiten oft mit dem Programm „Sugar Man“, bestehend aus Kontrabass, Klavier, Percussion und ihrer Stimme bei Live-Konzerten zu erleben. Andere Projekte sind etwa die Deutschfolk- und Weltmusikband SAMMANT, mit der sie 2016 beim „Preis der deutschen Schallplattenkritik“ mit einer Platzierung auf der Longlist ausgezeichnet wurde.

Als Kind zweier Orchestermusiker war Herold schon lange vor ihrem späteren Musikstudium klar, dass eigentlich keine alternative Berufswahl für sie in Frage kommen würde. Ihre musikalische und künstlerische Tätigkeit sieht sie als „ihr ganzes Sein“ und keine bloße berufliche Entscheidung. Der pandemiebedingte Wegfall von dutzenden Auftritten bis hin zum Ausfall mehrwöchiger Konzerttourneen auf unbestimmte Zeit und dem damit einhergehenden Wegbrechen des Publikums wie natürlich auch daraus resultierender Einnahmen stellte sie zunächst „erst mal vor ein großes Loch“. Um irgendwie ‚Gutes‘ aus der nicht gerade guten Situation zu sehen, besann sie sich mit Unterstützung in Form eines Corona-Sonderstipendiums durch die Kulturstiftung Thüringen auf neuentdeckte, aber eigentlich alte Leidenschaft fürs Texten und Liederschreiben.

Die Geige, das Cello, etliche Gitarren, E- und Kontrabässe, diverse Keyboards
und elektronische Drumsounds packte sie hierfür aus – Das musikalische Ergebnis sind sechs charismatische Lieder in deutscher Sprache, eigens arrangiert und aufgenommen. Als mini-Album „Bruder, Prinz und König“ kam die Platte am 15. Mai 2021 heraus und, passend zur Situation vieler Künstler*innen, inklusive surrealem Plattencover (als Bild in den Text!), das die symbolisch
vielschichtigen Bilder ihrer Texte visuell aufgreift und verstärkt. Wortstark, mit schwebenden Arrangements bereist Herold die Sphären von zwischenmenschlicher Beziehung und feiert dabei die Zwei-, aber auch die Einsamkeit(en).

Wer reinhören möchte, klickt hier entlang: www.monikaherold.net.

Aus eben jenen Einsamkeiten ergab sich für die Musikerin in der Krisenzeit die Rückbesinnung auf ihre eigenen Möglichkeiten und Aspekte, die halfen, „auch eine gewisse Stärke  zu gewinnen“. Die zunehmende gesellschaftliche Verschiebung in den digitalen Raum verbindet Herold jedoch
mit einer Menge ablenkender Arbeiten: „Ich bin kein Fan davon, mich stundenlang um Follower
zu bemühen. Beseelte Musik entsteht für mich im Kontakt zwischen echten Menschen. Es hat nicht
mehr viel mit meiner Berufung zu tun, tausendmal zu klicken und auf virtuelle
Aufmerksamkeiten zu hoffen, die einem dann bei den prekären minimalen Gewinnmargen im Digitalgeschäft, besonders im Streaming, trotzdem kein wirkliches Auskommen sichern. Da sehe ich für Künstler abseits des Mainstreams tatsächlich wenig Perspektiven.“

So hofft Herold derzeit – wie viele Künstlerinnen und Künstler – vor allem auf baldige und nachhaltige Lösungskonzepte, die den Live-Betrieb von Kultur und Musik in unserem Land wieder ermöglichen.

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