Krisenstimmen: Arthur Karl Rudolf Fritz

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Mein Name ist Arthur Karl Rudolf Fritz, ich bin Musiker und Musikproduzent und komme aus dem kleinen Suhl im schönen Thüringer Wald. Ich bin 22 Jahre alt und befinde mich vor dem Abschluss meines Studiums der Richtung Musikproduktion, welches ich in Berlin absolviere.

Wie geht es dir und was machst du in Corona-Zeiten?

Ich arbeitete gerade in einem wundervollen Studio etwas außerhalb von Berlin als die Corona-Welle auch nach Deutschland kam. Man hatte den Verlauf der Dinge schon eine Weile beobachtet, da gerade in der Kreativbranche ja diesbezüglich sehr schnell sehr viel auf dem Spiel steht, wie es sich auch bald abzeichnen sollte.

Um mich nicht unnötig zu gefährden im regen Studioalltag, entschied ich mich, der Hauptstadt zu entsagen und in meine Heimat in Thüringen zurückzukehren. Es bot für mich die perfekte Isolations- und Quarantänemöglichkeit, da ich mich in meinem Elternhaus, in meinem Homestudio, schön isolieren kann und dennoch nicht der Kunst und dem kreativen Fluss entsagen muss. Ehrlich gesagt kam es mir fast gelegen. Denn seit nun bald schon 3 Jahren habe ich mir das Ziel gesetzt, ein eigenes Album zu schreiben, aufzunehmen und eigene Musik von mir zu veröffentlichen. Und in den letzten 3 Jahren schien ich einfach keine Zeit dafür zu finden. Doch diese Ausrede galt wohl kaum noch… Denn nun war auf einmal so viel Zeit da wie gefühlt noch nie!

So vergingen schnell die ersten 4 Wochen der Isolation in der Heimat und auch wenn ich anfangs genug Motivation und Inspiration aufbringen konnte, um musikalisch aktiv zu sein, scheint es mir jetzt deutlich schwieriger. Denn die Isolation bringt nicht nur physische Schwierigkeiten mit sich, sich zu versorgen, sondern gerade die mentalen Probleme machen mir und vielen Kollegen in der Kunst zu schaffen. Viele Berichten von einer massiven Demotivation und Schwierigkeiten kreativ zu sein, was bei machen wohl daher rührt das sie momentan schlichtweg größere Probleme haben – gerade finanziell. Denn Einnahmen zu generieren ist jetzt besonders schwer. Ich bin davon zum Glück weniger betroffen, da ich jetzt in meinem Elternhaus unterkomme und auch in Berlin bei Verwandten wohne und sich somit meine zwingenden Ausgaben in Grenzen halten. Selbst wenn meine bisherigen Einnahmen, die fast ausschließlich über den Livebetrieb kamen, wegfallen, bin ich somit nicht in finanzieller Not. Dies ist jedoch nicht mir zuzuschreiben, sondern noch viel mehr meinen Unterstützern, meiner Familie, wofür ich sehr dankbar bin

Gibt es für dich auch etwas Positives an der Krise?

Trotz allem mache auch ich mir Gedanken über die Zukunft. Denn vieles scheint ungewiss. Gewiss scheint jedoch zu sein, dass sich die Gesellschaft adaptiert und das Leben weiter geht. So nun auch die Uni. Über Online-Unterricht werden die Kurse nun weitergeführt und die Studenten unterrichtet. Eine neue Situation, für Studierende und Dozenten, die jedoch einen großen positiven Punkt mit sich bringt: Das Auseinandersetzten mit den technischen Möglichkeiten die heutzutage gegeben sind!

In vielen Branchen wird gerade realisiert, dass bestimmte Aufgaben auch sehr gut online ausgeführt werden können. Zu Gunsten vielerlei Parteien. Unter anderem unserer Mutter Erde. Dass diese Krise diesbezüglich einiges zum Positiven verändert hat, sollte mittlerweile weit bekannt sein, wichtig ist jedoch wie ich finde, dass es etwas in uns verändert. Unsere Einstellung und Wertschätzung der Natur gegenüber und dass wir nicht so weitermachen können wie bisher. Somit sehe auch ich in der Corona-Krise eine Chance auf einen neuen Ansatz. Eine Chance auf Veränderung.

Wie verändert sich deine Arbeitswelt und dein Geschäftsmodell als Musikschaffender mit der Krise?

In meiner Arbeit als Musikproduzent nicht wirklich viel um ehrlich zu sein. Heutzutage ist man dank Internet ja so gut vernetzt, dass man, vorausgesetzt man hat ein kleines Aufnahmesetup zur Hand, auch so gut arbeiten/aufnehmen kann. Das funktioniert dann so, dass man sich verschiedene Audiodateien zuschickt die am Ende zu einer großen Produktion zusammenwachsen. Man arbeitet nur vorwiegend allein im Gegensatz zu einer Studiosession bei der alle Musiker anwesend sind.

Als aktiver Musiker hat es sich dahingehend geändert, dass Konzerte, Bandproben und Writing/Jam-Sessions nicht mehr möglich sind. Mir fehlt vor allem die direkte musikalische Interaktion und die damit einhergehende Inspiration unter uns Musikern. Bis das wieder möglich ist, werde ich mich wohl mit meiner eigenen Muse beschäftigen, um die Zeit sinnvoll zu nutzen.

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Foto: Johannes Bahr Visuals