Krisenstimmen: Johannes Hille

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Johannes Hille ist freischaffender Musiker und in verschiedenen Ensembles tätig. Zudem ist er Vorstandsmitglied beim LAG Songkultur Thüringen e.V.

Wie geht es dir und was machst du in Corona-Zeiten?

Danke, mir geht es gut. Meine Stimmung schwankt von anfänglicher Dankbarkeit über die Entschleunigung und die seit Jahren erstmals wieder freien Wochenenden hin zu Ernüchterung über die Erkenntnis, dass mein gesamter Berufsstand gerade vergessen wird und förmlich wegstirbt. Allein dass wir als KünstlerInnen uns rechtfertigen müssen, gerettet zu werden empfinde ich als Frechheit. „Wer mich jetzt als nicht systemrelevant ansieht und meine Kunst als nicht schützenswert anerkennt, wieso sollte ich für denjenigen nach der Krise überhaupt noch spielen?“ „Was motiviert mich weiterhin kreativ zu sein, wenn das Ergebnis dann wertlos zu sein scheint?“ Solche Überlegungen höre ich gerade von einigen Kollegen und sie geben mir zu denken. Ansonsten bin ich viel in meinem Garten und tüftel an neuen Ideen.

Gibt es für dich auch etwas Positives an der Krise?

Für mich persönlich nehme ich als positiv mit, dass ich gerade Zeit habe die Dinge zu tun, die ich aus Zeitmangel schon lange vor mir hergeschoben habe. Auch die Entlastung durch den nicht vorhandenen Stress ist sehr angenehm und gibt einem Raum, sich neuen kreativen Gedanken zu widmen.

Wie verändert sich deine Arbeitswelt und dein Geschäftsmodell als Musikschaffender mit der Krise?

Seien wir ehrlich, die Branche ist „am Arsch“! Wie sich die kommenden Wochen und Monate entwickeln werden kann ich nicht sagen. Ich gehe derzeit aber davon aus, dass ich vor September/ Oktober keine Konzerte spielen werde und daher auch nur ein geringes Einkommen habe. Für mich heißt das, dass ich gerade verstärkt auf Montage gehe und meinen Beruf nach 15 Jahren mehr und mehr zum Hobby mache. Von digitalen Unterrichtsformaten via Skype, oder Zoom halte ich nichts. Ich habe dabei die Erfahrung gemacht, dass gerade bei Blasinstrumenten kein richtiger Unterricht möglich ist. Theorieunterricht ist hingegen ganz gut möglich. Darüber hinaus ist mir meine Zeit für ein bloßes Beschäftigen der Schüler zum Abrechnen meiner Honorarstunden jedoch zu schade. Was die Liveszene angeht bin ich gespannt, inwieweit sich die Konzerte ins Internet verlagern und ob genau das dazu führt, dass kleinere Livekonzerte wieder mehr Zulauf haben. Das würde ich mir zumindest sehr wünschen.